Foto © Lena Busch

botschaft von Lisa Fitz

Die Kabarettistin und  Musikerin Lisa Fitz spricht in ihrer Botschaft darüber, wie mit Tinnitus in der Musikbranche umgegangen wird, wie sie sich und ihr Gehör schützt und was sie sich für die Aufklärung rund um Tinnitus und Gehörschutz wünscht.

Viele der von Tinnitus betroffenen Kolleginnen und Kollegen, Musiker, Techniker, sprechen ja nicht gerne offen über dieses Thema,    weil es vielen peinlich ist. Meistens sprechen sie erst dann drüber, wenn es wirklich ganz schlimm ist und sie dann auch – sagen wir mal – Trost suchen, wenn sie von ihrer Krankheit erzählen. Vorher wird es versteckt. Das heißt, es wäre zu wünschen, dass man mit dem Thema „Hören und Gehörschutz“ einfach viel offener umgeht – und wenn es sein muss, ein paar Witze drüber macht, weil das lockert meistens auf.

Ich selber versuche mich so zu schützen, dass ich die Musik nicht zu laut höre, dass ich, wenn ich auf Rockkonzerte gehe, Ohropax mitnehme oder Kopfhörer. Dass ich auch meinem Sohn sage: „Pass auf, wenn du die Rockmusik zu laut hörst!“. Weil man ja in der Jugend immer nichts davon wissen will ... man merkt die Folgen meistens erst , wenn es zu spät ist.

Bei mir hat es auch schon mal gepfiffen im Ohr. Meistens aber nicht durch Lautstärke, sondern durch Stress. Dann versuche ich immer sofort, einen Gang runter zu schalten, ruhig zu werden und mir zu sagen: „Das lässt sich jetzt auch ohne Aufregung regeln! Beruhe dich, setz dich hin, trink einen Tee oder einen Kaffee oder leg‘ dich hin!“ Wenn es geht. Und meistens ist das Pfeifen dann auch schnell wieder vorbei. Seitdem ich das mache, wird es besser. Noch einen Tipp von meinem Hausarzt, den ich schon ganz lange kenne: einatmen und dann von zehn runter zählen. Also ganz langsam: 10, 9, 8, ‐ leise natürlich, wenn andere dabei sind. Aber das hilft auch, wenn man das Gefühl hat, wenn man bei 0 ankommt, ist es schon besser.

Wenn man mich fragt, was ich jungen Menschen mit auf den Weg geben würde, dann würde ich immer sagen: „Bitte nicht immer denken, mich betrifft das nicht, ich bin jung, ich habe das Problem nicht“, und alles verschieben. Sondern sich die Geschichten von den Betroffenen anhören und das einfach ernst nehmen. Man muss ja nicht immer „blöd“ sein, wenn man jung ist. Man kann ja auch manchmal wirklich was von den Älteren lernen. Es gibt so einen schönen Spruch, der heißt: „Der Mensch lernt durch Denken oder durch Leiden“. In dem Fall wäre es doch ganz schön, wenn er etwas durch Denken lernen könnte und ihm dann das Leiden erspart bliebe.

Die Form der Aufklärung kann ganz vielfältig sein. Über das Internet zum Beispiel, das ist eine gute Sache, weil da viele junge Leute drin sind. Auch in Musikerkreisen, auch Prävention bei Stress, da gehört das dazu. Einfach überall verbreiten. Und dann sollten sich die Musiker und Techniker auch untereinander nicht scheuen, über dieses Thema offen zu sprechen. Also: Aufklärung, Aufklärung, Aufklärung – wo es nur geht! Das würde ich mir wünschen.

Eure Lisa Fitz

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