Unser 4. Programmtipp zu Berliner Stiftungswoche 2018

[Freitag 20.04.2018]

Einladung der Schwarzkopf-Stiftung und der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas am 20. April 2018

"Verfemt-Verfolgt-Verraten" Zeitzeugengespräch mit Horst Selbiger, Tipp 4 von unserer Schülerpraktikantin Nora:

Zum heutigen Gespräch mit dem Zeitzeugen des Nationalsozialismus, Horst Selbiger, sind viele Schüler*innen kommen. Darüber habe ich mich sehr gefreut, denn ich finde es sehr wichtig, Jugendliche nicht nur über gesundheitliche Themen zu informieren, wie dies die Deutsche Tinnitus-Stiftung Charité im Rahmen ihrer Präventionskampagne tut, sondern junge Menschen immer wieder auch über den Faschismus und seine Folgen aufzuklären.

Horst Selbiger hat sehr eindrucksvoll und bewegend über sein Leben berichtet: Er ist 1928 in Berlin geboren und während des Nationalsozialismus aufgewachsen. Er erlebte die Ausgrenzung, Verfolgung, Zwangsarbeit und Unterdrückung am eigenen Leib. Schon in seiner Schulzeit wurde er von seinen Mitschülern als "Judensau" beschimpft und musste viele handgreifliche Übergriffe ertragen. Später in einer jüdischen Schule musste er mit ansehen, wie die Klassenräume immer leerer werden und seine Freunde und Mitschüler einer nach dem anderen abtransportiert wurden. Mit 14 Jahren wurde er selbst in ein Sammellager geschickt und musste dort Zwangsarbeiten mit giftigen Substanzen verrichten. Als er dann auch noch auf der Deportationsliste nach Auschwitz landete, verließ ihn jegliche Hoffnung, irgendwann wieder ein normales Leben führen zu können. Doch es geschah ein Wunder: Tausende Menschen gingen auf die Straße und demonstrierten für die Freilassung der Juden im Sammellager Levetzowstraße. Horst Selbiger wurde verlegt und kurz darauf freigelassen. Für ihn hat sich das Schicksal zum Positiven gewendet, er ist heute Ehrenvorsitzender des Vereins Child Survivors Deutschland e.V.- Überlebende Kinder der Shoah, ein Verein von Betroffenen der NS-Zeit für Betroffene. Doch Millionen anderen wurden von den Nationalsozialisten vergast oder auf andere Art zu Grunde gerichtet.

Die Schwarzkopf-Stiftung und die Stiftung Denkmal für ermordete Juden hat das heutige Zeitzeugengespräch mit Horst Selbiger organisiert, um den Teilnehmer*innen das Ausmaß des Holocaust zu vermitteln. Es wurde sehr engagiert über die Zeit nach dem Regime Hitlers und die Spuren, die der Faschismus in Deutschland hinterlassen hat, geredet. Die anschließende Fragerunde war sehr interessant. Horst Selbiger antwortete sehr ehrlich und ausführlich auf alle Fragen. Er vermittelte mir den Eindruck, dass seine Vergangenheit ihn immer noch sehr stark emotional belastet.

Über die Veranstalter:

Die Schwarzkopf-Stiftung hat ihren Fokus auf die Entwicklung junger Menschen gelegt und möchte den europäischen Gedanken und das politisches Bewusstsein in der Gesellschaft stärken. Die Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas wurde aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages gegründet und betreut die Denkmäler, die in Deutschland für die Opfer des Nationalsozialismus errichtet wurden. Außerdem hat sie den Auftrag sicherzustellen, dass der Holocaust in Erinnerung bleibt und alle Opfer auf geeignete Weise gewürdigt werden.

Weitere Infos zur Veranstaltung:: https://bit.ly/2qplkmt

Quellen: